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Kreatives Schreiben:
Selber Schreiben
Hier findet ihr die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen rund ums Schreiben. Von Autoren für euch.
Falls ihr noch andere Fragen zum Schreiben habt, dann schreibt uns: m.gries@buecherpiraten.de
Cornelia Rémi ist Literaturwissentschaftlerin und hat bei den Bücherpiraten schon mehrere kreativ schreiben-Workshops durchgeführt. Hier könnt ihr ihre Antworten auf die folgenden Fragen finden.
Sylvia Englert hat Amerikanistik, Anglistik und Germanistik studiert, schreibt Sachbücher und Jugendbücher und macht Schreibworkshops für Erwachsene und Jugendliche. Mehr unter www.sylvia-englert.de
Wie komme ich auf eine Idee? Wie entwickle ich eine Figur? Wie baue ich eine Geschichte auf? Wie entwickle ich Spannung? Wie beschreibe ich? Wo ende ich? Wo fange ich an? Wie finde ich einen Titel? Was mache ich mit der Geschichte, wenn ich fertig bin? Was mache ich, wenn ich nicht mehr weiter weiß? Was verdiene ich als Autor? Wie komme ich auf einen Namen? Soll ich die Geschichte jemandem zeigen?
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Wie komme ich auf eine Idee?
Cornelia Rémi: Ideen liegen überall. Auf der Straße, auf Fensterbrettern, in Baumkronen und Regenwolken, auf Leuchttürmen und in Waschmaschinen und im eigenen Kopf. Man muß sie nur finden. Oder genauer gesagt: Man muß sie wahrnehmen und dann anfangen, mit ihnen zu jonglieren, zu puzzeln und zu spielen. Damit das klappt, ist vor allem eins wichtig: Hör nie auf, Dich zu wundern, Dich überraschen zu lassen, Fragen zu stellen und die Welt zu bestaunen. In dem Moment, in dem Du das Leben, das Universum und den ganzen Rest als selbstverständlich hinnimmst, kannst Du keine Geschichten mehr erfinden. Wunder Dich! Stell Fragen und versuch, die unterschiedlichsten Dinge miteinander zu verbinden. Was könnte der große Zeiger der Kirchturmuhr mit einer grünen-blauen Ringelsocke zu tun haben? Wo hat sich der Windstoß, der Dir gerade ins Gesicht bläst, vor zehn Minuten herumgetrieben? Und was für ein Plakat klebt eigentlich ganz unten unter all den anderen Schichten auf der Litfaßsäule? Wichtig ist, daß man immer wenigstens einen kleinen Fetzen Papier und einen Bleistiftstummel in der Tasche hat, damit man besonders gute Ideen aufschreiben kann, bevor sie mit dem nächsten Windstoß wieder davonwehen!
Sylvia Englert:
Ideen gibt es überall. Du brauchst nur genau hinzuschauen. Zum Beispiel beobachtest du, wie sich zwei Leute in der U-Bahn streiten. Was könnte dahinterstecken? Und was könnte passieren (was in Wirklichkeit vielleicht nicht passiert ist)? Oder du liest in der Zeitung, dass ein Junge scheinbar ohne Grund verschwunden ist und eine rätselhafte Nachricht hinterlassen hat. Darin steckt eine Geschichte! Oder du erlebst etwas in der Schule oder im Urlaub etwas, was sich für eine Story eignen würde, wenn du es noch ein wenig ausschmückst und zuspitzt. Lass deiner Fantasie freien Lauf und trau dich, dir die Frage „Was wäre, wenn....?“ zu stellen. Dann wird aus deinem scheinbar eintönigen Alltag ganz schnell eine spannende Geschichte.
Wie entwickle ich eine Figur?
Cornelia Rémi: Wenn ich verreise und meinen Koffer packen muß, dann stelle ich mir vor, daß ich mich morgens anziehe: Erst die Unterwäsche und die Strümpfe, dann ein T-Shirt, Hose, Pulli, ... So kann es mir nicht passieren, daß ich aus Versehen etwas ganz Wichtiges vergesse!Ähnlich ist es mit einer Figur. Was braucht denn ein Mensch, um ein Mensch zu sein? Was will ich über jemanden wissen, den ich neu kennenlerne? Was sollen andere Menschen über mich wissen, wenn ich mich ihnen vorstelle? Was soll meine Figur in der Geschichte tun, was sollte sie können und was darf sie auf gar keinen Fall können? Mit solchen Fragen kann man anfangen, eine Figur ganz allmählich "anzuziehen". Stell Dir vor, Du sitzt Deiner Figur in einem Zugabteil gegenüber, ihr seid drei Stunden unterwegs und habt sonst nichts zu tun: Unterhalte Dich mit Deiner Figur, lass Dir etwas von ihr erzählen. Und wenn Dir langweilig wird, dann geht auf einmal die Tür auf und eine zweite Figur setzt sich zu Euch und mischt sich ins Gespräch ein! Und dann stell Dir die Figur in ein paar ganz normalen und einigen ganz extremen Situationen vor: Zum Beispiel im Supermarkt - und beim Kampf gegen einen feuerspeienden Drachen. Warum? Weil ich finde, daß es wichtig ist, immer ein bißchen mehr über die Figur zu wissen, als man dann tatsächlich in die Geschichte hineinschreibt. Beim Schreiben merkst Du dann vielleicht irgendwann, daß Deine Figur tatsächlich "ein Eigenleben entwickelt", wie man so schön sagt. Das ist mitunter anstrengend für Dich, weil die Figur nicht einfach alles mit sich machen läßt. Es ist aber auch sehr spannend, weil Du merkst, wieDeine Geschichte lebendig wird.
Sylvia Englert: Erstmal solltest du dir ihre Haupteigenschaften überlegen. Also zum Beispiel: ein dünnes blondes Mädchen, das aus Langeweile zur Brandstifterin wird, Frösche mag und sich eigentlich wünscht, mit ihrem gefährlichen Hobby ihre beiden großen Brüder zu beeindrucken. Jetzt kannst du daran gehen, genauer zu planen. Versuch, deine Figur so gut kennenzulernen, wie es geht. Schreib dir also nicht nur auf, wie das Mädchen aussieht, sondern auch, wie sie redet, wie sie in schwierigen Situationen reagiert, wer ihre Freunde sind, was sie mag und was nicht, was die schlimmsten Erfahrungen in ihrem bisherigen Leben bisher waren, welche Gegenstände/Besitztümer ihr besonders wichtig sind. Und, und, und. Dabei wirst du, wenn es gut läuft, nach und nach merken, dass die Figur für dich lebendig wird. Wenn du dann noch richtig Lust hast, über sie zu schreiben, kann eigentlich kaum noch was schiefgehen.
Wie baue ich eine Geschichte auf?
Cornelia Rémi: Das kommt ganz auf die Geschichte und auf Deinen eigenen Geschmack an. Es ist oft ganz praktisch, sich einen groben Fahrplan für die Geschichte zunotieren. Wenn man beim Schreiben merkt, daß der einem überhaupt nicht mehr gefällt, kann man ihn immer noch ändern, Teile umstellen oder noch einmal ganz von vorne anfangen. Nur nicht die Geduld verlieren! Auch wenn man malmit Schere und Kleber in der Hand inmitten lauter Papierschnitzel am Boden sitzt.
Sylvia Englert:
Führ das Hauptthema deiner Geschichte am besten schon auf den ersten Seiten ein, so dass klar ist, worum es geht und was den Leser erwartest. Gib deinen LeserInnen aber trotzdem etwas Zeit, die Figuren und ihre Welt kennenzulernen. Dann führst du deine Geschichte langsam zum dramatischen Höhepunkt (zum Beispiel dem Showdown, dem entscheidenden Kampf mit einem Gegner). Damit deine Leser dir zwischendurch nicht abspringen, solltest du über viele kleine Geschehenisse auch zwischendurch Spannung erzeugen. Am Ende solltest du die Geschichte nicht zu plötzlich enden lassen, sondern dir für die Auflösung etwas Zeit nehmen.
Wie entwickle ich Spannung?
Cornelia Rémi: Spannung - was bedeutet das eigentlich? Ich denke, es heißt, mit den Erwartungen des Lesers zu spielen. Du weckst die Erwartungen des Lesers, indem Du ihm etwas Ungewöhnliches, Seltsames oder Auffälliges mitteilst - und ihn mit dieser Information dann zunächst mal allein läßt, so daß er sich Fragen stellt, zweifelt, unsicher und gleichzeitig neugierig ist, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Das kann schon im Titel der Geschichte geschehen! Wenn dort steht "Ein grauenvoller Gast" und Du zunächst einmal einen freundlichen alten Herrn beschreibst, beginnt sich der Leser zu wundern, was denn an dem Herrn so grauenvoll sein soll. Schieb die Auflösung ruhig ein bißchen hinaus, laß ihn zappeln und löse die Spannung nicht sofort wieder auf. Laß den Leser bezweifeln, ob das, was er sich erwartet, tatsächlich eintreffen wird oder nicht: Wird Frau Müller entdecken, daß Max einen Spickzettel unter der Bank versteckt hat? Wie wird sie es entdecken? Schafft Max es dann noch rechzeitig, den Zettel zu verstecken - in zu essen, ihn zu zerreißen, ihn sonstwohin verschwinden zu lassen? Diese Spannung hat mit der Zukunft zu tun. Eine andere Art von Spannung richtet sich eher in die Vergangenheit: Der Leser will dann wissen, was geschehen ist, warum etwas so ist, wie es ist, und beginnt zu rätseln: Wer hat das Fahrrad gestohlen? Warum hat noch nie jemand das grüne Haus von innen gesehen?
Sylvia Englert:
Spannung entsteht durch Konflikte – wenn also zum Beispiel die Figuren ganz unterschiedliche Interessen haben, sie vielleicht verfeindet sind. Oder der Held/die Heldin irgendein Ziel unbedingt erreichen will und dabei auf Probleme stößt. Reine „Action“ ist nur dann spannend, wenn man vorher Zeit hatte, sich mit den Hauptfiguren anzufreunden. Dann interessiert man sich dafür, was mit ihnen passiert. Kennt man die Personen kaum oder sind sie einem unsympathisch, dann ist einem egal, ob sie aus der Klemme wieder herausfinden oder nicht.
Wie beschreibe ich?
Cornelia Rémi: Nicht zu viel, nicht zu wenig und vor allem: Indem Du versuchst, die Weltneu zu sehen und neu zu entdecken. Daß Herr Maier eine Nase mitten im Gesicht hat, ist nichts Neues. Daß aber die Nase so aussieht, als ob sie jeden Moment aus seinem Gesicht auf den Boden plumpsen könnte, wirkt ganz anders.
Sylvia Englert:
Ellenlange Landschaftsbeschreibungen sind öde, die überblätterst du wahrscheinlich auch, wenn du ein Buch liest. Versuch besser, kurz und treffend zu beschreiben, in wenigen Sätzen, was das besondere an einem bestimmten Ort, einem Gegenstand, einer Person ist. Nichtssagende Wörter wie „schön“ wirfst du besser gleich wieder raus, beschreibe lieber, was genau schön daran ist – dann bekommt der Leser ein Bild im Kopf! Wichtig ist auch, dass bei der Beschreibung du möglichst viele Sinneseindrücke einbaust. Also nicht nur das, was man sieht und hört, sondern auch, was man riechen, fühlen und schmecken kann! Dadurch nimmst du deinen Leser mit auf eine Reise, er kann sich viel leichter vorstellen, dort zu sein..
Wo ende ich?
Cornelia Rémi: Wenn das Papier zur Neige geht, oder wenn ich keine Lust mehr habe, oder wenn die Geschichte nicht mehr weitererzählt werden will. Das ist bei jeder Geschichte anders.
Sylvia Englert:
Ein rundes Ende hat deine Geschichte, wenn alle offenen Fragen geklärt sind. Wenn alle Probleme/Konflikte sich zugespitzt und dann irgendwie gelöst haben. Man kann auch offen lassen, wie die Sache ausgehen wird, aber als Leser ist man dann oft unzufrieden.
Wo fange ich an?
Cornelia Rémi: Kommt darauf an. (Und worauf genau, das kann ich Dir auch nicht so genau sagen!) Wenn Du zu schreiben beginnst, mach Dir darüber aber erst einmal keine Gedanken, sondern schreib einfach drauflos. Du kannst den Anfang immer noch ändern. Viele Schriftsteller schreiben den Anfang ihrer Geschichten als allerletztes ...
Sylvia Englert:
Stürz dich rein. Fang einfach an zu schreiben, damit dich das leere Blatt nicht hynotisiert! Wenn der Anfang holprig geschrieben ist – macht nichts, du überarbeitest ihn später sowieso noch. Steig am besten mitten in die Handlung ein, in das, was du erzählen willst. Wenn du erst sehr ausführlich berichtest, wie die Hauptperson aufsteht, sich wäscht, frühstückt und zur Schule geht, kannst du damit zwar viele Informationen über sie vermitteln, aber der Leser wird wahrscheinlich ungeduldig und will endlich, dass du zur Sache kommst. Oder deute am Anfang wenigstens an, was später noch passieren wird.Auch zum Beispiel bei Fantasy-Romanen solltest du vermeiden, am Anfang ausführlich deine Welt zu beschreiben und den Leser mit Informationen darüber zuzuschütten. Besser, du machst ihn mit den Personen und ihren Problemen vertraut, damit er wissen will, wie es mit ihnen weitergeht.Manche Autoren empfehlen, mit einer Action-Szene anzufangen. Davon halte ich nicht viel. Wenn man die Figuren der Geschichte noch nicht kennt und mag, kann so eine Action-Szene nämlich ganz schön langweilig sein.
Wie finde ich einen Titel?
Cornelia Rémi: Suchen. Experimentieren. Basteln. Ideen sammeln und kreuz und quer durcheinander auf ein Blatt Papier schmieren, wichtige Wörter oder Sätze aus der Geschichte notieren. Und dann einfach mal verschiedene Kombinationen durchprobieren.
Sylvia Englert:
Überlege dir, worum es in deiner Geschichte geht. Dann schreibst du, ohne nachzudenken, ganz viele mögliche Titel auf ein Blatt Papier oder in in eine Datei. Lass die Ideen einfach fließen! Wenn dir nichts mehr einfällt, dann sortierst du die Ideen danach, welche dir gefallen und welche nicht. 80 % sind wahrscheinlich Schrott, aber meist sind auch ein paar gute dabei. Wenn du dieses „Brainstorming“ mit Freunden von dir machst, die die Geschichte gelesen haben, kommt meist noch mehr dabei heraus. Meist geben Autoren ihren Geschichten übrigens erstmal „Arbeitstitel“ (also das erstbeste, das ihnen eingefallen ist), später überlegen sie sich den endgültigen Titel.
Was mache ich mit der Geschichte, wenn ich fertig bin?
Cornelia Rémi: Laß sie erst einmal eine Weile liegen und lies sie mit ein paar Tagen (oder sogar Wochen) Abstand nochmal durch. Dabei fallen Dir wahrscheinlich Dinge auf, die Du lieber nochmal ändern möchtest. Überarbeite die Geschichte, vielleicht sogar mehrmals. Und dann - dazu gehört eine ganze Menge Mut! - gib sie jemand anderem zu lesen. Jemandem, dem Du vertraust, vielleicht jemandem, der selber schreibt. Bitte um konstruktive Kritik: Dein Leser sollte Dir sagen, was gut und was schlecht an der Geschichte ist, und Vorschläge machen, wie man sie verbessern könnte. Wenn Du mit Deiner Geschichte so zufrieden bist, daß Du sie gerne mit vielen anderen Lesern teilen möchtest, frag doch z. B. mal bei Eurer Schülerzeitung nach, ob sie Geschichten veröffentlichen. Auch Dein Deutschlehrer kann Dir vielleicht weiterhelfen. Sei aber darauf vorbereitet, daß es nicht alle unbedingt toll finden, wenn Du Geschichten schreibst. Mach Dir nichts draus, wenn sich jemand über Dich lustig macht. Auch die größten Schriftsteller haben so etwas schon aushalten müssen. Und sie haben trotzdem weitergeschrieben!
Sylvia Englert:
„Fertig“ ist sie dann, wenn du sie so lange überarbeitet hast, bis du zufrieden damit bist. Dann könntest du sie zum Beispiel ein paar Leuten zu lesen geben, auf deine Homepage stellen, bei irgendeiner Veranstaltung öffentlich vorlesen, zu einer Literaturzeitschrift oder einem Autorenforum im Internet einreichen. Trau dich! Es ist sehr spannend zu erfahren, was andere zu deiner Geschichte sagen.
Was mache ich, wenn ich nicht mehr weiter weiß?
Cornelia Rémi: Geh raus. Geh spazieren, joggen, radfahren - mach irgendetwas an der frischen Luft, bei dem Du Dich bewegst, aber nicht viel nachdenken mußt. Irgendwann fangen die Gedanken dann ganz von selbst wieder an zu zappeln. Immer Papier und Bleistift mitnehmen!
Sylvia Englert:
Meist bekommt man eine Schreibblockade, wenn man spürt, dass die Geschichte nicht „funktioniert“, aber man nicht genau weiß warum. Denk nochmal gründlich nach, was dein „Bauchgefühl“ dir sagen will – ist deine Hauptperson noch nicht lebendig genug? Führt die Handlung in eine Sackgasse? Weißt du noch nicht genau genug, wie die Geschichte weitergehen oder enden soll? Kurz, du musst nochmal zurück in die Planung. Andere Gründe für eine Blockade können sein, dass dir nichts mehr einfällt. Dann gib die Geschichte am besten ein paar Freunden zu lesen und diskutiere mit ihnen, wie es weitergehen könnte. Oder vielleicht hast du das Gefühl, nicht gut genug zu sein, hast du Angst, dass deine Geschichte schlecht ist? Wenn sie dir trotzdem gefällt, dann schreib sie trotzdem fertig, am wichtigsten ist, dass das Schreiben Spaß macht! Denk daran, dass du mit jedem Text ein wenig besser wirst - denn Schreiben lernt man, indem man schreibt.
Was verdiene ich als Autor?
Cornelia Rémi: Normalerweise nicht viel.
Sylvia Englert:
Das ist ganz unterschiedlich, als Anfänger bekommst du zum Beispiel für eine veröffentlichte Kurzgeschichte meist gar nichts. Wenn du schon etwas mehr Erfahrung hast, bietet man dir vielleicht ein richtiges Honorar. Standard sind für Geschichten etwa 30 Euro pro Buchseite. Für einen ganzen Roman oder ein Sachbuch gibt es natürlich noch mehr Geld, nämlich etwa 2000 – 5000 Euro „Vorschuss“, wenn du das Manuskript abgibst, und danach nochmal 7-10 % von jedem verkauften Exemplar (nachdem es seinen Vorschuss wieder eingespielt hat). Das klingt erstmal viel. Aber wenn man davon leben muss, ist es ziemlich wenig (denn es dauert ja monate- oder jahrelang, bis das Buch fertig ist). Such dir also lieber erstmal einen Beruf, der dir ein regelmäßiges Gehalt bringt, und schreibe nebenher, bis du damit richtig erfolgreich bist!
Wie komme ich auf einen Namen?
Cornelia Rémi:
Auf der Suche nach Namen bekommt man es so intensiv mit Sprache und einzelnen Wörtern zu tun wie sonst vielleicht nur, wenn man ein Gedicht schreibt. In einem Namen konzentriert sich das Wesen der Figur konzentrieren - nicht umsonst haben Namen in vielen Geschichten magische Eigenschaften, und wenn man den wahren Namen eines Menschen kennt, besitzt man den Schlüssel zu seiner Persönlichkeit. Manchmal kann es deshalb so gehen, daß man zuerst über einen interessanten Name stolpert und einem dann gleich die passende Figur dazu einfällt. Schwieriger ist es umgekehrt: Man hat die Figur im Kopf, braucht aber noch einen passenden Namen. In diesem Fall kann man zwei der genialsten Bucharten zu Rate ziehen, die die Menschheit je erfunden hat: Lexika und Wörterbücher. Gibt's in jeder Bibliothek. Irgendwann stößt man beim Blättern auch Wörter und Begriffe, die zu der Figur passen. Man kann diese Wörter dann noch ein bißchen verfremden, verändern und zurechtbiegen - etwa, indem man sie in eine andere Sprache übersetzt - und schon hat man einen wunderbaren Namen entwickelt. Auch wenn Dir ein Name spontan gefällt, solltest Du aber versuchen herauszufinden, was genau er bedeutet. Dazu gibt es richtige "Namenbücher", in denen Bedeutungen aufgelistet werden. Wenn Du etwa einen grausamen Kannibalenhäuptling "Clemens" nennen möchtest, solltest Du wissen, daß dieser Name "sanft" und "mild" bedeutet.
Sylvia Englert:
Normalerweise schreibt man unter seinem eigenen Namen. Ein Pseudonym bringt nur dann etwas, wenn man aus irgendeinem Grund seinen wirklichen Namen geheim halten möchte, weil man zum Beispiel für das, was man schreibt, Ärger bekommen würde. Ein anderer guter Grund ist, wenn man mehrere ganz verschiedene Arten von Büchern schreibt und das für Buchhändler und Leser ein wenig auseinanderhalten möchte.
Namen zu erfinden ist manchmal gar nicht so einfach. Deutsche Namen kannst du zum Beispiel aus dem Telefonbuch heraussuchen, dort gibt es jede Menge Vor- und Nachnamen, die du nur noch zu kombinieren brauchst. Und im Internet gibt es Vornamen-Verzeichnisse, in denen du stöbern kannst. Fantasy-Namen denke ich mir persönlich aus, indem ich auf der Tastatur herumspiele und unterschiedliche Lautkombinationen ausprobiere. Der Name muss zur Figur passen, probier also ruhig verschiedene Namen aus, bis du das Gefühl hast, „Ja, das ist es!“ Sprich ihn auch mal laut aus, sonst klingt er vielleicht albern und du merkst es gar nicht.
Soll ich die Geschichte jemandem zeigen?
Cornelia Rémi: Das kommt darauf an. Wenn Du damit zufrieden und glücklich bist, für Dich selbst zu schreiben, dann ist das vollkommen in Ordnung. Wenn Du aber Deine Freude am Schreiben und an den Geschichten gerne mit anderen teilen möchtest, dann tu das! Am besten suchst Du Dir jemanden, der selbst schreibt - dann könnt ihr gegenseitig eure Geschichten lesen und besprechen. Das mußt Du Dich allerdings erst einmal trauen. Und Du mußt damit rechnen, daß Dein Leser die Geschichte nicht unbedingt von vorne bis hinten großartig findet, sondern auch etwas an ihr auszusetzen hat. Begreif solche Kritik als Hilfe, um Deine Geschichte noch besser zu machen.
Sylvia Englert:
Wenn deine Geschichte sehr persönlich ist, sehr viel „Herzblut“ darin steckt, dann behalt sie besser erstmal für dich. Oder zeig sie nur Leuten, denen du wirklich vertraust. Wahrscheinlich willst du bei vielen Geschichten aber, dass jemand sie liest. Denn es ist nur der halbe Spaß, wenn alle Storys in der Schublade verschwinden. Trau dich und zeig sie jemanden – erstmal Freunden oder deiner Familie, später kannst du sie vielleicht sogar veröffentlichen.
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